Wie uns “unrunde” Packungsgrössen das Geld aus der Tasche ziehen

Hey, vielleicht ist es euch irgendwann in den letzten zwei Jahren schonmal aufgefallen. Beim Einkaufen vielleicht. Ihr kennt doch alle bestimmt einen Artikel, ein Lebensmittel oder einen Reiniger, der in den letzten zwei Jahren ein Verpackungs-Re-Design bekommen hat. Oder einen Artikel der lange Zeit im Supermarktregal gestanden ist mit “10% MEHR INHALT!!!”  und euch alle mit seinen flashigen Verpackungen zum kaufen animiert hat, oder?

Stellt euch mal folgende Situation vor. Ihr seid der Hersteller eines Weichspülmittels und eurer Meinung nach könntet ihr mal langsam etwas mehr Kohle damit verdienen. Wie macht man das am besten? Wir verkaufen das Ding einfach teurer.

“HA!” sagst Du jetzt… “Das geht doch gar nicht, das merken wir doch sofort, wenns mehr kostet!”

Falsch, lieber Leser. DU vielleicht. Aber auch nicht sofort.

Weiter in unserem Szenario: Wir werden konkret.

  • “LaLeLu” – Weichspüler
  • Plastikflasche
  • 1,5 Liter Inhalt
  • € 3,98

Der Markenname ist frei erfunden. Tut aber auch nichts zur Sache, weil das bei JEDEM so passieren kann (und oft auch passiert)

Es stimmt. Es fällt sofort auf, wenn wir den Preis um 50 cent erhöhen. 4,48 liest sich nicht so schön wie 3,98 – ausserdem dürfen wir die psychologisch wichtige Marke von 4€ nicht überschreiten.

Da kommt ein Stratege aus der Marketingabteilung und sagt: “Hey, ist doch alles kein Problem. Ihr da, in der Produktion, beschafft neues Verpackungsmaterial. Gleichzeitig druckt ihr bitte neue Etiketten für die alten Flaschen. Da schreibt ihr drauf “Jetzt 10% Gratis nur für kurze Zeit!!!””

Kurze Zeit später sehen wir im Regal unseres Lieblingssupermarktes unseren lieblings-Weichspüler in etwas flashigerer Verpackung:

  • “LaLeLu” – Weichspüler
  • Plastikflasche
  • 1,5 Liter Inhalt (davon 10% Gratis!)
  • € 3,98

Wo ist da jetzt der Gewinn für das Unternehmen? Ja, Du fragst Dich zu recht. Nun, lieber Leser. Wie jede zeitlich begrenzte Aktion, endet auch diese irgendwann. Ganz konkret: Sie endet in dem Moment, wo die erste Flasche des NEUEN Verpackungsmaterials die Fabrik verlässt. Denn kurz darauf finden wir in unseren Supermärkten folgenden Spüli:

  • “LaLeLu” – Weichspüler
  • Plastikflasche
  • 1,25 Liter Inhalt (!!!!)
  • € 3,98

Oh… Warte, was? Ist da tatsächlich aus 1,5 Litern um 4€ nur mehr 1,25 Liter geworden? Um den gleichen Preis?

Jupp

Du glaubst nicht, dass das funktioniert? Siehe selbst.

Ja. So ist das. Genau SO entstehen versteckte Preiserhöhungen. Jetzt wirst Du Dir denken “Ach, ich verwend eh keinen Weichspüler” – Das macht nix, lieber Leser. Du isst Gemüse, Du trinkst Kaffee, du isst Schokolade, Brot, Nudeln. All das sind Produkte die schon auf diese Art und Weise verteuert wurden.

Möglich gemacht hat das übrigens eine Richtlinie der EU, die im April 2009 “Standardpackungsgrössen” abgeschafft hat. Früher war es geregelt, dass man z.B. Milch nur in inkrementen von 0,25l kaufen konnte… also zb 0,5l oder 1l oder 0,75l – das gibts nun nicht mehr. Jeder kann seine Packung frei designen und befüllen. Dafür müssen die Supermärkte jetzt auch einen Einheitspreis anschreiben. Damit man besser vergleichen kann. Also bei Flüssigkeiten z.B. einen Preis “pro 100ml” oder bei Kaffee, Wurst oder Brot “pro 100g” Und es empfiehlt sich sehr auch auf diesen Preis zu achten. Ihr werdet euch wundern wieviel Unterschied beispielsweise beim Käse auftauchen kann. Es gibt Käse mit 8€ pro kG und daneben den gleichen, nur anders verpackt um 11,90€/kg – sieht aber rein optisch nach genau der gleichen Menge aus…

Persönlich habe ich diese Preissteigerungen schon bei Eiskaffee mitbekommen (230ml statt 250), ich habe schon Schokotafeln mit 90g gesehen (statt 100) – Abgepacktes Gemüse ist jetzt OFT in 400g-Einheiten verpackt (statt 500g), Butter, die nur mehr 200g statt 250g wiegt und eben der genannte Weichspüler.

Wetten, wenn wir die Augen offenhalten, finden wir noch ein paar Dutzend andere Produkte? Ich werde glaub ich jetzt öfter mal fotografierend durch den Supermarkt laufen. Und besonders da wo gerade Sonderangebote und “grössere” Packungen zu finden sind, einfach mal nen Schnappschuss machen. Ich bin mir sicher ich werde relativ schnell fündig.

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  1. Stefan

    Ein Klassiker der Freigabe von Verpackungsgrößen sind die 9 Stk. Taschentücher pro Packung.

    Langsam fallen diese Tricks auf, aber ich möchte nicht wissen, was sich da schon Firmen als Zusatzverdienst eingestreift haben.

  2. Ivy

    Ich finde das auch eine Frechheit, aber wirklich wehren kann man sich nicht, oder? Die EU versucht ständig diese Dinge zu regulieren, aber gelingen tut es ihnen nicht, wie man ja sieht.

    • Stefan

      Bis zur Freigabe im April 2009 war die Verpackungsgröße durch die EU geregelt. Diese Vorschriften gelten von jetzt an nur noch für Weine, Sekt und Spirituosen.
      Wenn das jetzt seit 3 Jahren schon so läuft, kannst dir denken oft man das übersehen hat, dass in der Packung weniger drin ist.

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