Wohnungssuche in Wien

Ihr kennt das. Die “eigenen” (eigentlich gehören sie ja meist dem Vermieter) Vier Wände hängen einem schon beim Hals raus. Die Nachbarschaft verkommt immer mehr zur entmilitarisierten Zone oder es werden euch Neubauten neben euer Haus geknallt, die plötzlich die Lebensqualität um einiges abnehmen lassen.

Was tun?

Eine Wohnung muss her! Bitte möglichst ein bisschen grösser und ein bisschen billiger und ein bisschen neuer und schöner und toller und geiler und wah. Ja… einiges wird funktionieren; alle Wünsche gleichzeitig könnt Ihr euch aberin 99% der Fälle abschminken.

Am Wohnungsmarkt gilt die 80/20 Regel. Das bedeutet: Wohnungen, die zu 80% Euren Kriterien entsprechen, findet ihr mit 20% Aufwand. Für die restlichen 20% bis zur Perfekten 100 müsst ihr aber 80% des Aufwandes leisten.

Wie?

Bei dieser Suche wollen euch diverse Portale, Suchmaschinen und Webseiten gerne unterstützen. Manche davon machen das recht gut, andere sind nur stupide Müllablagen für ausgeleierte Wohnungsinserate von Häusern die bereits vor 2 Jahren abgerissen wurden.

Ich möchte hier mal ein Paar aufzählen, und glaubt mir: Die Liste ist bei weitem nicht vollständig.

Wichtigstes Kriterium für mich war hierbei: Es muss auf der Plattform PRIVAT-Angebote geben. Ihr wisst schon: Direkt vom Vermieter. Keine Makler. Keine Heinis die von mir 2 Monatsmieten Provision verlangen dürfen, dafür dass Sie erfolgreich ein Web-Formular einer Wohnungsplattform ausgefüllt haben und mir einmal die Wohnung aufsperrten bei der Besichtigung.

Los, sag!

Na gut; fangen wir an:


Huh? Ja! Der Standard hat eine nette Immo-Such-Engine, die einem viele Suchoptionen anbietet. Grösse, Preis, Anzahl der Zimmer und noch ein paar andere Kriteriern kann man sich hier bequem zusammenklickseln und danach suchen. Wenn einem nachher einfällt, dass man noch vergessen hat sich einen Parkettboden zu wünschen, kann man die Suche auch nachträglich noch anpassen und neu filtern. Ist man damit zufrieden, dann kann man sich diese Suche auch speichern und auch die Suchergebnisse täglich per Mail zukommen lassen. Ja. Die Webseite scannt dann jeden Tag anhand der gespeicherten Kriterien nach neuen Angeboten in den letzten 24 Stunden und mailt sie euch. Bequemer gehts ja gar nimmer :) Kostet: nix. Lohnt sich: Joa! f’jedn (auf jeden fall)

 

 

Ja. Der “gute, alte” Bazar. Vielen noch als Kleinanzeigenblatt ihrer Jugend bekannt. Sowas wie das analoge eBay, nur ganz ohne Auktionen. Dort hat man alles bekommen. Von kleinen Babykätzchen über Dienstleistungen und “Dienstleistungen” zu Autos, Häusern, Grundstücken, gemeinsamen Urlauben, Schlauchbooten und Münzsammlungen aus Nordkorea. Ja. Dieser Bazar ist immer noch am Leben. Ob sie immer noch eine Zeitung rausbringen weiss ich nicht, aber online ist definitiv noch was zu holen. Ihr müsst euch aber leider damit abfinden, dass Grösse und Preis und Miete/Kauf die einzigen Kriterien sind, die ihr einstellen könnt. Der Rest ist manuelles Durchklicken durch die Anzeigen und erfordert ein bisschen Eigeninitiative. Bonus: Wenigstens lässt sich auch hier ein Suchagent einrichten. Der kommt auch seeeehr pünktlich jeden Tag. Bei mir um 07:01 Uhr in der Früh :) Dann kann ich am Weg ins Büro wenigstens schon die Wohnungen abchecken :) (sind immer so 1-5 Stück)

 

Der “Underdog” (meiner Meinung nach) der Wohnungssuch-Portale. Diese Plattform funktioniert ANDERS. Hier gibt es KEIN EINZIGES Angebot von Maklern. Jede Wohnung die man da drin findet ist Provisionsfrei. Das wars dann aber auch schon mit den Vorteilen. Die Suche ist ein bisschen ein Zwischending zwischen Bazar (fast nix) und derstandard.at (fast alles) – Aber eher zu “fast nix” tendierend. Man kann NICHT nach Preis suchen oder sortieren (denn der Preis und die Kontaktmöglichkeit mit dem Vermieter sind die Daten, die einem nicht angezeigt werden, solange man nicht dafür bezahlt) Und die Preise sind happig. Für Eine Woche Preise und Kontakte sehen dürfen verlangt diese Webseite 30€ – Für ein Monat 60€. Ich würde sagen: heftig. Und: Spart euch die Kohle. Die MEISTEN Wohnungen gibts auch andernorts zu sehen. Und DA sind die Kontaktdaten auch gratis einsehbar und den Preis erfährt ihr auch sofort. Beispiel gefällig?

Kopiert den ersten Absatz dieser Anzeige in die Google-Suche http://www.privatimmobilien.at/suchen/immobilien.php?INSERATNR=173246 und klickt auf das willhaben.at – Ergebnis ;) Das funktioniert hier bei jeder zweiten Wohnung. YMMV (Your Mileage May Vary)

Yes! willhaben.at – die aufsteigende “will-haben”-Plattform österreichs. Ist lange Zeit unter meinem Radar geflogen, aber jetzt mag ich sie. Auf willhaben findet man derzeit so an die 8000Mietwohnungen, davon etwas mehr als die Hälfte in Wien. Guter Schnitt. Die Suchkriterien sind ähnlich Umfangreich wie beim Standard, allerdings kann man nicht angeben, dass man nur Privat-Anzeigen sehen möchte, man wird also von allerhand Makler-Angeboten überrannt. Diese erkennt man in der Übersichts-Liste wenigstens am kleinen schriftzug unter der Anzeige “gewerbl. Anbieter” – also die einfach mal überlesen beim Suchen. Auch hier gibt es einen Suchagenten den man speichern kann für die soeben ausgeführte Suche. Bonus: Der Suchagent ist SOFORT. Also sobald einer eine Wohnung postet hauts euch auch schon die Mails um die Ohren.

 

  • Der traurige Rest.
    Ja, es gibt einen Rest. Das sind dutzende und aberdutzende Immo-Portale von Firmen, Vereinen, Privatpersonen oder selbständigen Maklern, die allesamt eines gemeinsam haben. Es sind dort fast ausschliesslich nur gewerbliche Anzeigen drin, oder STEINALTE. Ich bin letzte Woche über Inserate aus 2009 gestolpert die mir angezeigt wurden als Treffer in der Suchliste. Wie schon oben erwähnt. Die meisten Wohnungen findet ihr auf mehr als einer Plattform.

 

Sonst noch Tipps?

Ja, junger Jedi. Schalte Deinen gesunden Menschenverstand ein. Eine 100m² Wohnung im Dachgeschoss mit Blick über die Dächer Wiens um 300€ im Monat, voll möbliert und ohne Ablöse? Brauchst gar nicht anklicken. Entweder existiert diese Wohnung schlichtweg nicht oder es liegen noch Leichenteile vom Vormieter darin rum, oder das Haus wurde als Atommüll-Endlager designiert.

Genossenschaftswohnungen? Yay! Du hast also einen Betrag von 10-50.000 Euro einfach so flüssig und steckst ihn in eine Genossenschaft, die Dir dann Pro Jahr 1% davon wegnimmt? Gratuliere. Du bist offiziell “seltsam”. Ach um deine 25.000 Euro zahlst du dafür 150€ weniger Miete als der Rest des Marktes. Ja. Dein Break-Even ist nach 14 Jahren, erst DANN zahlst du wirklich weniger Miete. Bis dahin hättest das Geld besser auf ein Sparbuch gelegt. Hast mehr davon.

Lass Dich auch nicht von den Vermietern verarschen. Einige wenige füllen Ihre Wohnungsanzeigen seltsam aus oder können mit Webformularen nicht umgehen. Wenn einer ins Feld “Ablöse” reinschreibt “3000 Euro”, aber in den Fliesstext: “Keine Ablöse” – dann ruf an oder schreib eine Mail und frage VORHER was denn nun stimmt. ProTipp: Keine offene Frage a la “Ist da jetzt Ablöse oder nicht?” stellen, denn die Antwort wird meistens “Ja” sein (denn damit signalisierst Du, dass Du mit einer Ablöse rechnest) – frage stattdessen “Das stimmt eh, dass da keine Ablöse ist, ja?” – Noch suggestiver kann man fast nicht fragen und dein Gegenüber wird sich zwei mal überlegen was er Antwortet. [NLP für Dummies]

Achte besonders auf Feinheiten in der Formulierung. Ich bin selbst darauf reingefallen. Unter vielen Anzeigen steht “Bruttomonatsmiete xxx Euro” – unter einigen wenigen steht “Nettomonatsmiete xxx Euro” – Man überliest schnell den Unterschied und steht dann bei der Wohnungsbesichtigung blöd da, wenns ums finanzielle geht. Denn von Betriebskosten war nirgends die Rede (in der Anzeige) – Hätt ich doch bloss mal genauer gschaut. Damit hat man bei zwei Personen die Zeit verplempert.

Vermieter die anfangen “intime” Fragen zu stellen tauchen leider immer öfter auf und sie sind ZUM TEIL berechtigt. Ihr habt sicher von Miet-Nomaden oder anderen “Unterschitlern” gehört die in eine Wohnung einziehen, zwei – drei Mieten zahlen und dann plötzlich damit aufhören, weil sie dann erst in einem seeeehr langwierigen Verfahren aus der Wohnung geklagt werden müssen. Ja, genau davor wollen sich Vermieter schützen und fragen deswegen nach eurem Familienstand, Zukunftsplänen (Kinder? Frau/Mann?) nach eurem Dienstverhältnis (wie lange arbeitet ihr schon da wo ihr seid) und wieviel ihr verdient. Besonder die Frage nach dem Verdienst taucht vermehrt auf. Manchmal stehts schon in der Anzeige, manchmal erst bei der ersten Kontaktaufnahme. Ich finde: Das geht den Vermieter nix an. Versichert ihm Glaubhaft, dass ihr die Miete zahlen könnt und werdet. Vermittelt Stabilität und Besonnenheit :D Fragt ihn nicht bei der ersten Begehung ob ihr die Umbauten zur Folterkammer durchführen dürft und ob reger “Parteienverkehr” nach 23 Uhr ein Problem in der Nachbarschaft darstellt, dann wird das schon klappen. Und wenn ihr Mietnomaden seit – hört auf meinen Blog zu lesen und zahlt eure verschissene Miete. Ihr macht es nur noch schlimmer für ALLE von uns.

 

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