Wir haben geschlossen

Seitdem ich über ein eigenes Einkommen verfüge (beginnend mit Taschengeld von meinen Eltern) stört mich eine Sache immer mehr und mehr. Ich komme aus einer Zeit, wo an Samstagen – wenn überhaupt – ein Einkaufen nur von 8-12 Uhr möglich war, danach war “Schicht im Schacht” – Ende – Schluss, Aus, Maus. Wer am Samstag nach 12 Uhr noch Brot, Waschpulver, Butter, Fleisch oder Batterien gebraucht hat, wurde von allen anderen entweder bemitleidet oder ausgelacht.

Nun. Wir haben ja jetzt 2012 und die Situation ist jetzt natürlich vieeeeeeel Besser. Jein. Die Gnadenfrist wurde auf Samstag 18 Uhr erstreckt, danach ist wieder Schluss. Bis Montag 7-8 Uhr.

Warum? Warum kann es nicht einfach Scheissegal sein, wann ein Laden auf- oder zusperrt? Warum muss sich die Politik, die Gewerkschaft, die Kirche oder irgendeine Lobbying-Bude einmischen und sagen “Nein! Am Sonntag wird nicht aufgesperrt”?

via http://www.flickr.com/photos/cogdog/

Gehts bitte scheissen; Ihr, die ihr da in der Politik sitzt – oder glaubt an den Schalthebeln der Macht zu sein – habt genug Tagesfreizeit um euch um 11 Uhr vormittags auf Shopping-Tour zu begeben.

Überlasst das bitte dem Markt, wann er öffnen können sollte. Gebt die Ladenöffnungszeiten frei; schreibt ins Gesetz rein, dass jeder Händler zu beliebigen Zeiten zwischen Montag 00:00 Uhr und Sonntag 24:00 Uhr aufsperren darf. Den Rest regelt der Markt; glaubt mir.

Im Europäischen Ausland ist das schon teilweise seit Jahrzehnten so. (Siehe Slowakei, Portugal, Polen, UK, Irland…) und es FUNKTIONIERT. Manche Läden haben Öffnungszeiten wie in Österreich – andere haben 7x24h geöffnet. Und alle schaffen es irgendwie zu überleben.

Angestellte werden nicht depressiv, Familien brechen nicht auseinander, die Kirche ist nicht implodiert und es gibt nicht mehr oder weniger Obdachlose Alkoholiker auf den Strassen als vorher. Warum glaubt der gelernte Österreicher eigentlich, dass ihm durch den Wegfall des STAATLICH VERORDNETEN RUHESONNTAGS plötzlich das gesamte Raumzeitgefüge verlustig geht und er am Montag darauf plötzlich ohne Kinder, Partner und Eltern dastehen wird, weil ja keine Kinderbetreuung mehr da ist, er seine Mama im Altersheim nimmer besuchen kann und der Partner sofort fremdgehen wird?

Leute, macht die Augen auf – Glaubt ihr wirklich, dass Österreicher die einzige Nation sind, die Familienleben haben? Ganz im gegenteil: Ich sehe im Ausland mehr familiären Zusammenhalt, als hier. Hier ist das alles nur irgendwie künstlich aufgesetzt, dort ist es real. Egal. Jedenfalls gibts es die gleichen Bedenken natürlich auch im Ausland, aber DORT gibt es dann auch an Sonntagen Kinderbetreuung (was immer euer Killerargument ist) – hier nicht.

Gebt den Markt frei. Lasst die Läden öffnen wann sie wollen, dann wird sich das einpendeln. Der Kunde wird das schon vorgeben. Solange ich hier nicht am Sonntag NORMAL einkaufen kann (nicht “Reiseproviant” am Bahnhof), werde ich einfach ins 60km entfernte Bratislava fahren. Da gibts Supermärkte die etwa die 4fache Grösse eines Merkur+Interspar zusammen haben. Da krieg ich alles. Und billiger isses auch, aber das ist ein anderes Thema.

 

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