Die Angst, die zum Krieg führt

Ich habe Angst. Ich will keinen Krieg in meinem Europa. Ich bin Europäer. Da geboren, dort aufgewachsen und dennoch überall zuhause. Das will man mir aber kaputtmachen.

Sie wollen mein Europa vernichten; wollen uns Angst machen. Sie wollen Menschen verunsichern und diese Angst und Unsicherheit zu ihrem Vorteil nutzen. Sie wollen mir sagen, dass ich jederzeit und überall in Gefahr bin. Ich soll doch bitte grössere Menschenansammlungen meiden und meine Nachbarn sofort an die Behörden melden, wenn diese etwas seltsames tun. Der geneigte Leser merkt es schon, es geht nicht um die Terroristen. Es geht um unsere Regierungen. Die gewählten Volksvertreter. Die wollen uns das alles einreden und sie tun es auch. Aus allen Rohren wird da die Bevölkerung informiert. Allerdings mit variablem Wahrheitsgehalt.

Das ist aber nun nicht einmal das, was mich hierbei am meisten stört. Was mich so richtig wirklich monumental anpisst an dieser gesamten Situation ist, dass gefühlt nahezu alle diese Meinung übernehmen und wiedergeben. Es gibt nur mehr ganz wenige Kritiker, die sich noch trauen etwas dagegen zu sagen. Anderslautende Meinungen werden heutzutage ganz schnell verstummt.

Eine abweichende Meinung, als die, die alle propagieren, ist unerwünscht. Aber es kommt nicht der Staat oder seine Handlanger und ermahnt mich, sondern es kommen die, mit denen ich reden will und sagen mir: “Du redest doch Mist.” – und warum? Weil sie es irgendwo im TV gesehen haben, in der Gratiszeitung gelesen oder auf Facebook geshared bekommen haben.

Schon lange sind sämtliche sozialen Medien in diesem Land voll mit rechtem Populismus. Meistens unwahre Geschichten über Terroristen, Handlanger von Terroristen, Flüchtlinge oder Hilfosorganisationen machen ganz fix die Runden durch soziale Netze und rechercheresistente Medien. Wenn man da nicht aufpasst, werden solche Geschichten ganz schnell als Wahrheit anerkannt und weiterpropagiert.

Niemand kann beweisen, dass so eine Story wirklich stimmt, aber alle glauben Sie und sie geht sofort ins tägliche Denken über und beeinflusst unser Handeln.

Zurück zu unseren Volksvertretern. Auch die bekommen ihre Informationen von irgendwo und handeln danach. Ich glaube deren Informationen haben schon eine ganz andere Qualität als das, was uns erzählt wird, aber ich glaube leider auch, dass die viel zu viel Panik-Material erzählt bekommen. Anders kann ich mir das nicht erklären, dass jetzt zum Beispiel seit zwei Tagen das gesamte öffentliche Leben in Brüssel lahmgelegt ist, nur weil _jemand_ der belgischen Regierung gesagt hat “ihr müsst jetzt Angst haben”

Wisst ihr was da passiert ist? Die Terroristen haben soeben gewonnen. Voilá – Done! Die Terroristen müssen jetzt gar keinen Handgriff mehr tun, keinen Finger mehr rühren. Wir verängstigen unsere Leute jetzt schon ganz allein. Glaubt ihr, die Brüsseler fühlen sich total heppipeppi, weil schwer bewaffnete Polizisten und Militärs in ihren Strassen stehen? Das ist doch der perfekte visuelle Trigger für “Angst” und er basiert auf Hörensagen, denn passiert ist in Belgien NICHTS.

Frankreich ruft für 3 Monate den Notstand aus, setzt Artikel 42 der EU-Verfassung(?) ein und bittet zum ersten mal in der jungen Geschichte der Europäischen Union die anderen Mitgliedsländer um (militärische) Hilfe, die Hälfte der Schengen-Länder setzen wieder Grenzkontrollen ein, im Radio kommen die Verkehrsdurchsagen mit den Grenzwartezeiten wieder zurück und an bestimmten Grenzabschnitten werden Zäune gebaut um Menschen davon abzuhalten rüberzukommen? Das ist doch alles eine Manifestation von Angst.

Es wird nicht mehr lange dauern, bis die Stimmung kippt. Das glaube ich wirklich und das ist es auch, was mich verängstigt. Wie lange wird es wohl noch dauern, bis diese Gesellschaft anfängt Menschengruppen wegzusperren (oh, ups), weil sie etwas tun KÖNNTEN. Wie lange wird es wohl noch dauern, bis arabisch sprechende Menschen unter Generalverdacht gestellt werden, dass sie Terroristen sein könnten und deswegen zum Beispiel nicht mehr in Flugzeuge steigen dürfen? (huch) Wie lange wird es wohl noch dauern, bis wir Menschen, die einen anderen Glauben haben dazu zwingen wollen immer einen eigenen Ausweis bei sich zu tragen? (Ein potenzieller künftiger Präsident der USA will das)

Wisst ihr was noch fehlt? Warum nur einen Ausweis? Warum kennzeichnen wir diese Menschen nicht gleich offen sichtbar? Ein gelber Stern wär doch mal was ganz innovatives. Das hat doch schonmal prima funktioniert. Viel fehlt ja leider nicht mehr. Wir wissen alle noch aus dem Geschichtsunterricht wie das damals weitergegangen ist. Ich will keinen Krieg! Bitte hört auf Angst zu schüren.

Leave a Reply