Wikileaks verändert die Welt. Millimeter um Millimeter.

Laut ist es geworden um Wikileaks. Mal wieder. Schon wieder eine Enthüllung? Ja. Wenn die Gerüchte stimmen, dann wird Wikileaks HEUTE ab 22:30 Uhr (oder doch eher ab Mitternacht) eine neue Webseite ins Netz “schalten” auf der bis zu 300.000 diplomatischer Depeschen der USA zu finden sein werden.

Die Vereinigten Staaten haben, wie eigentlich fast jedes Land, in vielen vielen anderen Ländern eine Botschaft. Diese Botschaften sind einfach der verlängerte Arm der US-Regierung und Verwaltung der eben bis ins Ausland reicht. Diplomaten sitzen da und Verwaltungsangestellte und kümmern sich um US-Bürger in diesen Ländern, oder um Bürger des Gastgeberlandes die etwas von der US-Regierung brauchen (meistens VISA oder sonstigen Verwaltungskram) Soweit die ganz bekannten Aufgaben einer Botschaft. (neudeutsch auf: Ständige Vertretung der Vereinigten Staaten)

Zu den weniger bekannten – aber nicht wirklich geheimen – Aufgaben einer Botschaft  – und ihrer Angestellten – gehört es Informationen über das Gastgeberland zu sammeln und ans Aussenministerium in den Staaten weiterzuleiten.

Wenn also zum Beispiel in Österreich eine neue Regierung angelobt wird, dann schreiben die US-Diplomaten ein paar Seiten/Zeilen über jedes Regierungsmitglied, dass da gerade ins Amt gewählt wurde. Da steht dann zum Beispiel drin: “Minister XYZ vom BLAHministerium ist in 4. Ehe, hat 10 uneheliche Kinder und wurde schon desöfteren beim Fremdgehen erwischt, ausserdem glauben wir, dass er in wirklichkeit homosexuell ist und er war letztes Jahr wegen Tripper in Behandlung bei seinem Arzt”

Wozu diese Informationen? Nun, ganz einfach. Stellt euch vor die USA würden mit einem Land geheime Verhandlungen führen; sagen wir – darüber, ob Sie in eurem Land geheime Gefängnisse für Kriegsverbrecher einrichten dürfen. Viele Verhandlungspartner würden da wohl eher sagen “Äh, nein, macht das woanders” – und genau DANN kramt der Delegierte der US-Regierung in seinem Aktenköfferchen und schaut in ein kleines Mäppchen, grinst, schaut auf und sagt seinem Verhandlungspartner (einem Minister aus eurem Land) – “Oh, Mr. XYZ, ich glaube wir wollen beide nicht, dass ihre Tripperbehandlung vom letzten Jahr so richtig an die grosse Glocke gehängt wird, sie sind doch erst Minister geworden, wollen Sie wirklich jetzt schon eine Scheidung und den damit verbundenen – in den Medien geführten – Rosenkrieg?”

(c) http://twitter.com/freelancer_09

Spiegel Cover // Foto (c) http://twitter.com/freelancer_09

Zack – schon ist alles klar. Geheimgefängnisse kommen, dem Minister isses Scheissegal, weil der is in 5 Jahren eh schon weider wo anders (im Aufsichtsrat eines grossen US-Europäischen Konzerns vielleicht?) und dann interessierts ihn nicht mehr. Und alle sind “zufrieden”.

Natürlich macht das JEDES Land. Und in jeder diplomatischen Depesche die von einer Botschaft zurück ins Heimatland geschickt wird stehen sachen drin, die dem jeweiligen Gastgeberland nicht wirklich schmeicheln. Alle Länder machen das so. Aber im Fall der USA ist es dann doch nochmal um eine Stufe brisanter. Die Amerikaner sind es nämlich, die ständig irgendwelche Forderungen an “das Ausland” stellen.

Wir wollen im Voraus wissen, wer plant in die USA einzureisen” – “Wir wollen eure SWIFT Bankdaten” – “Wir wollen eure Polizeiermittulungsdaten” – “Wir wollen Gefängnisse im Ausland aufmachen” – “Wir wollen….. ” u.s.w.

Seit ein paar Monaten hat Wikileaks nicht mehr den Charakter einer Webseite wo Hinz und Kunz geheime oder zumindest vertrauliche Dokumente hochladen kann. Nein, es scheint fast so, als hätte Wikileaks sich nunmehr darauf spezialisiert ganze Länder zu diskreditieren.

Angefangen hat alles mit Dokumenten der US-Armee aus Afghanistan und dem Irak (War Diary und Warlogs) in denen die US Streitkräfte penibel festgehalten haben, wen sie wann, wo, wie und warum verletzt, getötet oder verstümmelt haben. Selbstverständlich sind die USA darüber nicht erfreut. Im Inland wurden damals oft nur Heldengeschichten erzählt, bzw. gezielt der Presse zugespielt und der gemeine US-Bürger, der sich nicht dafür interessiert hat, hat nur diese Seite des Krieges mitbekommen. (“Alles Terroristen da unten, wir müssen sie auslöschen, unsere Jungs sind Helden und töten eh nur Terroristen”) – Wikileaks zeigt der Welt – und besonders den Amerikanern – dass die Wahrheit eine ganz andere ist.

Genauso wie die Anschläge vom 11. September die Welt verändert haben (Paranoia vor einer Religion) – verändert Wikileaks die Welt in eine andere Richtung. (Traue Deiner Regierung nicht, sie belügen dich – oder – Traut den USA nicht)

Aus meiner persönlichen Sicht finde ich das eigentlich sehr spannend. Wikileaks wird es wohl schaffen durch konstante Veröffentlichungen dem gemeinen Bürger die Augen zu öffnen. Wir sehen dann wie Staaten funktionieren, wie sie zusammenarbeiten und wie der Unterschied zwischen Wahrheit und “Wahrheit” wirklich ist. Das was der 11. September auf einen Schlag geschafft hat, wird Wikileaks in ein paar Jahren auch geschafft haben. Einen totalen Umbruch des Systems. Ich habe keine Ahnung was noch kommen wird. Aber ich bin sehr gespannt.

Es würde mich sehr wundern, wenn die kommende Veröffentlichung nicht ein paar Köpfe kosten wird.

UPDATE: http://cablegate.wikileaks.org

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